Bereits am Sonntag 28. Oktober wurde durch die Freiwillige Feuerwehr Neumarkt die Bezirkseinsatzzentrale Unterland (BEZ 9) besetzt um die Wettersituation fortlaufend zu überwachen und einen eventuellen Einsatz zu planen. Gleichzeitig wurden auch mehrere Einsätze im gesamten Bezirk koordiniert, welche durch überflutete Keller und Garagen sowie kleineren Murenabgängen und Steinschlägen verursacht wurden.
Wie es auch die Prognosen des Hydrographischen Amtes vorhergesagt hatten, spitze sich die Lage am Montag 29. Oktober dramatisch zu. Die Landesleitstelle (LLS) unter dem Vorsitz des Zivilschutz-Landesrates Arnold Schuler wurde um 10 Uhr am Sitz der Agentur für Bevölkerungsschutz in Bozen einberufen. Um 11:30 Uhr erhöhte das Landeswarnzentrum (LWZ) den Zivilschutzstatus auf die höchste Stufe und rief somit den Alarmstatus "Charlie" aus.
Wie es bei Hochwassereinsätzen vorgesehen ist, wird die Einsatzkoordination von der Landesnotrufzentrale (LNZ) auf die Bezirkseinsatzzentrale übertragen. Im Zivilschutzzentrum "Guido Furlan" in Neumarkt tagte zusätzlich auch die Bezirksleitstelle (BLS) und die Gemeindeleitstelle (GLS) um die Situation mit den Vertretern der Rettungsorganisationen sowie Gemeinde-, Landes- und Staatsorganen zu bewerten und wichtige Entscheidungen zu treffen.
Auch eine Teilevakuierung von Neumarkt wurde aufgrund der extremen Regenprognosen in Betracht gezogen. Deshalb wurde vorsichtshalber der Bergrettungsdienst des CNSAS Unterland sowie der Betreuungszug des Zivilschutzes im Weißen Kreuz alarmiert und nach Neumarkt beordert, um für eine Evakuierung vorbereitet zu sein. Auch das Weiße Kreuz Unterland stockte das diensthabende Sanitätspersonal auf.
In Schotterwerk St. Florian wurde die Sandsackfüllmaschine in Bereitstellung gebracht. Mit mehreren LKWs wurden durch die Agentur für Bevölkerungsschutz an die rund 100.000 Sandsäcke angeliefert, zuzüglich zu den knapp 30.000 welche bereits im Bezirkslager in Neumarkt vorhanden waren.
Starkregen auf dem gesamten Landesgebiet sorgte für ein kontinuierliches Ansteigen der Flusspegel: gegen 22 Uhr wurde schließlich die Vorwarnstufe an der Etsch in Branzoll erreicht. Die Flussbeobachtungsstellen in Branzoll, Neumarkt und Salurn wurden planmäßig durch die jeweiligen Feuerwehren besetzt. Obwohl die Regenschauer gegen Mitternacht langsam nachließen, stiegen die Pegel weiterhin rapide an, sodass um ein Uhr morgens die Warnstufe in Neumarkt erreicht wurde: 14 Feuerwehren des Unterlandes wurden mobilisiert um die Deichwachenrundgänge durchzuführen. Seinen Höhepunkt erreichte die Etsch schlussendlich am Dienstag um vier Uhr mit einem Pegelstand von 6,09 m bei Neumarkt. Durch die großen Wassermassen (Zeitweise flossen über 1.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde vorbei) kam es landseitig an mehreren Stellen zwischen Pfatten und Salurn zu Wasseraustritten am Dammfuß und Qualmtrichtern am Vorland. Diese wurden unter Sonderbeobachtung gestellt und von einem Techniker der Wildbachverbauung genauer kontrolliert. An einigen Stellen mussten Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden. In Neumarkt wurde vorsorglich eine von zwei mobilen Hochwassersperren geschlossen.
In den höher gelegenen Lagen verursachte zusätzlich der starke Wind große Probleme: im Raum Radein/Aldein/Truden/San Lugano/Altrei kam es Aufgrund von extremen Windböen mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h zu zahlreichen Einsätzen wegen umgestürzten Bäumen. Hektargroße Waldflächen wurden zerstört. Häuser und Fahrzeuge wurden beschädigt, Verletzte gab es dabei zum Glück keine zu beklagen. Die Landesstraße LS130 in Richtung Radein ab Kaltenbrunn und die Staatsstraße SS48 ins Fleimstal ab der Aldeiner Brücke mussten komplett gesperrt werden. Besonders kritisch ist die Lage in Radein wo es zusätzlich auch zu einem kompletten Ausfall der Strom- und Telefonversorgung kam. Die Aldeiner Fraktion ist dadurch zurzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Auch in Oberfennberg kam es zu einem Stromausfall. In der Zone San Lugano/Altrei wurde zudem eine Suchaktion nach zwei Jugendlichen gestartet, nachdem diese aus ihrem, zwischen umgestürzten Bäumen blockierten PKW, geflüchtet sind. Über die Berufsfeuerwehr Trient wurden auch die Feuerwehrkollegen der benachbarten Gemeinden im Trentino alarmiert. Nach ca. 1,5 Stunden konnten die zwei Personen wohlbehalten gefunden werden. Auch diese Einsätze wurden von der Bezirkseinsatzzentrale koordiniert, welche auch die Alarmierung der zuständigen Feuerwehren und Ämter übernahm. Enger Kontakt wurde auch mit dem Landeslagezentrum (LGZ) bei der Berufsfeuerwehr in Bozen und mit der Landeseinsatzzentrale (LEZ) der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols in Vilpian gehalten.
Gegen 8 Uhr kehrte der Etschpegel wieder unter die Warnschwelle von 5,5 m zurück und die Deichwachen wurden abgezogen. Um 11:30 Uhr sank der Pegel schlussendlich auch unter die Vorwarnstufe und somit konnte der Hochwasserdienst entlang der Etsch beendet werden.
Am Diensttagnachmittag unterstützte die Feuerwehr Neumarkt mit großen Schlammpumpenanhängern die Feuerwehr Kurtatsch bei Auspumparbeiten.
Allein von Montag auf Dienstag wurde im Bezirk Unterland über 50 Einsätze abgearbeitet. Hunderte Feuerwehrmänner und -frauen standen teilweise Tag und Nacht im Einsatz.
Nun beginnt das große Aufräumen und das Beheben der Schäden, vor allem jene an Strom- und Telefonleitungen. Wie lang es dauert bis wieder Normalität herrscht ist zurzeit nicht abschätzbar.


